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Ein Lieferschein kommt an. Das System liest die Positionen aus. Die Werte landen im ERP. Klingt fertig. Ist es aber nicht.

Was IT Production in ihrem Beitrag beschreibt, kennen wir aus der Projektarbeit genau so: Unternehmen wollen Abläufe automatisieren, und meinen damit, Zahlen von einem Zettel in ein System zu bringen. Was dabei fehlt, ist der Schritt in der Mitte. Der Schritt, bei dem eine ausgelesene Zahl aufhört, ein Kandidat zu sein, und anfängt, ein verlässlicher Wert zu sein.

Dieser Schritt heißt Prüfung. Und er ist der häufigste blinde Fleck bei Automatisierungsprojekten in der Fertigung.

Was das am Wareneingang bedeutet

Stellen Sie sich vor: Der Lieferschein kommt rein, das System liest die Positionsnummern aus, überträgt sie ins ERP. Soweit, so gut. Aber stimmt die Positionsnummer wirklich? Gibt es diese Bestellposition? Liegt die Menge im erwarteten Bereich?

Wenn das System diese Fragen nicht stellt, hat man Zahlen im ERP, die sich nach Genauigkeit anfühlen, es aber nicht sind. IT Production nennt das den Unterschied zwischen einem verarbeiteten und einem geprüften Datenpunkt. Und dieser Unterschied entscheidet darüber, ob das Controlling am Monatsende mit den Zahlen arbeiten kann, oder nochmal von vorne anfangen muss.

Warum die Prüfschicht kein Zusatz ist

Wir hören oft: Wir bauen erst das System zur automatischen Erfassung, dann schauen wir mit der Prüfung. Das ist derselbe Fehler wie ein Haus aufzustocken, während der Keller noch nicht fertig ist.

Prüflogik ist keine Erweiterung von Extraktion. Sie ist der Mechanismus, der entscheidet, welche Ausgaben des Systems belastbar sind und welche nicht.

Ohne Prüfschicht gilt: Kein Ergebnis ist verlässlicher als der schwächste Wert, der ungefiltert ins nachgelagerte System gelangt ist.

Drei Fragen vor dem ersten Angebot

Wer heute ein Automatisierungsprojekt in der Produktion plant, sollte drei Fragen klären, bevor das erste Angebot auf dem Tisch liegt.

Erstens: Was gilt bei uns als geprüft? Wann darf ein ausgelesener Wert ohne menschliche Kontrolle ins System? Das ist keine technische Frage. Die Fachabteilung muss sie beantworten, nicht die IT.

Zweitens: Wer definiert die Prüfregeln? Nicht die IT-Abteilung. Sondern die Kolleginnen und Kollegen, die am Ende mit den Zahlen arbeiten und als erste merken, wenn etwas nicht stimmt.

Drittens: Was passiert mit Werten, die die Prüfung nicht bestehen? Wie wird der Ausnahmefall behandelt? Ein System ohne definierte Ausnahmestrategie verlagert manuelle Arbeit. Es beseitigt sie nicht.

Den Fachartikel, auf den wir uns hier beziehen, haben wir in der IT&Production veröffentlicht. Weitere Einblicke finden Sie in unserem Beitrag: KI in der Produktion: Fachartikel für IT&Production.

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Pressekontakt Tim Filzinger Helm & Nagel GmbH Rosenweg 5 35614 Aßlar Tel. +49 15679 155391 E-Mail tim.filzinger@helm-nagel.com