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In Versicherungsunternehmen ist die Digitalisierung von Prozessen durch Input-Management-Systeme nichts Neues. Diese Systeme übernehmen die Verarbeitung eingehender Post bis hin zur Archivierung.

KI-gestütztes Input-Management durch OCR und NLP

Das primäre Ziel ist die strukturierte Aufbereitung von Daten, die dann an nachgelagerte Systeme wie ein ERP-System weitergegeben werden. Diese Tools sind jedoch häufig veraltet und sehr kostspielig. Die Erweiterung des Input-Managements durch die Kombination verschiedener KI-Lösungen wie automatische Texterkennung (OCR) und Textverarbeitung (NLP) wird bereits in 62% der Kundeninteraktionen in Versicherungsunternehmen eingesetzt [1]. Intelligente OCR nutzt die Verschlagwortung und Extraktion von Textfeldern oder ganzen Textabschnitten aus Dokumenten oder E-Mails und erhöht die Genauigkeit regelbasierter Ansätze um 6% auf 93%. Versicherungsunternehmen sparen zudem Zeit durch den Einsatz intelligenter Automatisierungslösungen wie Hyperautomatisierung.

Prozessautomatisierung mit Hyperautomatisierung in der Versicherung

Angesichts der Pandemie und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise gewinnt die Optimierung und Stabilisierung von Prozessen in Versicherungsunternehmen zunehmend an Bedeutung. Die Weiterentwicklung von Automatisierungstechnologien wie OCR, RPA (Robotic Process Automation) und KI führt zu wirtschaftlich und technologisch fortschrittlichen Lösungen für die Prozessautomatisierung: Hyperautomatisierung. Ziel vieler Unternehmen ist es, die Servicequalität zu verbessern, den Umsatz zu steigern und bestehende Prozesse für die digitale Zukunft des Unternehmens robuster zu gestalten. Der Einsatz von Hyperautomatisierung ermöglicht die Automatisierung von Prozessen über regelbasierte Standardanwendungen hinaus. Unsere KI-Agenten gehen noch einen Schritt weiter, indem sie gesamte Dokumentenverarbeitungs-Pipelines von der Aufnahme bis zur Entscheidung intelligent orchestrieren.

Automatische Betrugserkennung durch KI in Versicherungsunternehmen

Die Versicherungsbranche kämpft zunehmend mit Betrugsfällen, die jedes Jahr Milliardenverluste verursachen. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft stammen 10% der in Deutschland ausgezahlten Schadenssummen von Betrügern [2]. Um Betrugsversuche besser erkennen zu können, sind technische Lösungen erforderlich, die sich ständig an neue Gegebenheiten und Betrugsmuster anpassen können und über regelbasierte Input-Management-Ansätze hinausgehen. Die Fehlerquote ist dort hoch und erfordert zusätzlichen manuellen Aufwand. KI und OCR können eingesetzt werden, um Schadensmeldungen auf auffällige Inhaltsmuster zu prüfen und Anomalien automatisch zu erkennen. Bei einem durchschnittlichen Schadensbetrag von rund 3.000 Euro und der Aufdeckung von 1.029 Betrugsfällen konnten durch den KI-Einsatz potenzielle Einsparungen von über 3,1 Millionen Euro in einem Versicherungsunternehmen erzielt werden. Mehr zu diesem Ansatz in unserer Fallstudie zu Versicherungsschäden.

KI in Versicherungsunternehmen individualisiert die Kundenansprache

Individualisierung und Personalisierung gehören zu den Megatrends der 2020er Jahre. Kunden zeigen wenig Begeisterung für Standardlösungen, und die Nachfrage nach einer individualisierten Kundenansprache wächst. Versicherungsunternehmen können diese Entwicklung als Chance für Cross-Selling und Up-Selling nutzen, indem sie KI-basierte Lösungen als Unterstützung einsetzen. Individuelle E-Mails lassen sich automatisch auf Basis von Kundeninformationen generieren, und die Kommunikationsqualität kann nachhaltig gesteigert werden. Automatisch generierte Texte sind von manuell erstellten Texten nicht mehr zu unterscheiden, und die Rücklaufquote kann von ca. 1,5% auf bis zu 35% steigen. Die KI-Anwendung ermöglicht automatisches Lernen durch neue Eingaben, schließt Wissenslücken und stellt selbstständig neue Verbindungen her. Vortrainierte Sprachmodelle wie GPT-3 sind leistungsstarke Textgeneratoren, die eigenständig kohärente Texte verfassen und zur erfolgreichen Kundenansprache eingesetzt werden [3].

Dokumente besser verstehen mit KI in der Versicherung

Obwohl die Übertragung von Versicherungsdokumenten zwischen Versicherungsunternehmen, Maklern und anderen Partnern durch den BiPRO-Standard 430 weitgehend standardisiert ist, ist sie nicht automatisiert [4]. KI verarbeitet Daten in Millionen von Dokumenten und hilft Mitarbeitern, Cross-Selling-Potenziale in Kundenportfolios zu erkennen sowie bei Vertragsverhandlungen und im Input-Management Kosten zu sparen. Durch den Einsatz von KI lassen sich Inhalte in Dokumenten strukturiert abrufen. Arbeitsschritte wie Tippen, Umbenennen, Ablegen und Validieren entfallen nahezu vollständig. Dadurch ist es möglich, Dokumente rein digital zu verarbeiten, mit bekannten Stammdaten anzureichern und systemübergreifend zu harmonisieren. KI-Software lernt, Informationen aus Dokumenten 24-mal schneller zu verstehen und zu strukturieren als ein Mensch. So profitieren Versicherungsunternehmen von einer schnelleren und effizienteren Dokumentenverarbeitung.

Von Input zu Insight: Was der Wandel tatsächlich bedeutet

Die Terminologie ist entscheidend. "Input-Management" beschreibt eine reaktive Funktion, die Dokumente empfängt, sortiert und weiterleitet. "Insight-Management" beschreibt eine proaktive Fähigkeit, die Bedeutung extrahiert, Signale sichtbar macht und Entscheidungen auslöst. Die Lücke zwischen beiden ist der Bereich, in dem die meisten Versicherer an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Laut McKinsey reduzieren Versicherer, die vollständiges KI-gestütztes Insight-Management erreichen, ihre Combined Ratio um 3 bis 5 Prozentpunkte gegenüber Wettbewerbern, die noch reaktive Dokumenten-Pipelines betreiben [5].

Der praktische Unterschied zeigt sich auf drei Ebenen:

  • Datenebene: KI normalisiert strukturierte und unstrukturierte Eingaben in eine einheitliche Darstellung und eliminiert die manuelle Abstimmung, die derzeit 18 bis 22% der Back-Office-Stunden in mittelgroßen deutschen Versicherern beansprucht.
  • Analyseebene: NLP-Modelle klassifizieren Absicht, Stimmung und Risikosignale in eingehenden Kommunikationen und ermöglichen eine Priorisierung ohne manuelle Triage.
  • Entscheidungsebene: Prädiktive Modelle liefern umsetzbare Empfehlungen zu Verlängerungsrisiko, Cross-Sell-Timing und Betrugswahrscheinlichkeit im Moment des Dokumenteneingangs statt erst Wochen später in einer Quartalsüberprüfung.

Für einen praktischen Überblick darüber, wo Prozessautomatisierung in eine übergeordnete digitale Architektur passt, bietet unsere Pillarseite die Entscheidungskriterien im Detail.

Implementierungs-Roadmap: Drei Phasen

Der Übergang von Input- zu Insight-Management ist kein einmaliger Technologiekauf. Organisationen, die dabei erfolgreich sind, behandeln ihn als schrittweisen Kompetenzaufbau:

Phase 1: Input-Schicht stabilisieren (Mo. 1-4)33%
Phase 2: Mit Kontext anreichern (Mo. 4-9)66%
Phase 3: Entscheidungskreislauf schließen (Mo. 9-18)100%

Phase 1: Input-Schicht stabilisieren (Monate 1-4)

Intelligente OCR und Dokumentenklassifikation einsetzen, um manuelle Sortierung zu eliminieren. Zielgenauigkeit: 95% auf Feldebene, bevor Phase 2 beginnt. Der Versuch, Insight-Fähigkeiten auf einer fehlerbehafteten Input-Schicht aufzubauen, ist das häufigste Scheitern solcher Projekte.

Phase 2: Mit Kontext anreichern (Monate 4-9)

Dokumentenintelligenz mit Stammdaten verbinden, darunter Policensysteme, CRM und Schadenhistorie. Hier werden Cross-Sell- und Betrugssignale erkennbar. Die Anreicherungsschicht liefert typischerweise die größten schnellen Gewinne: Ein deutscher Versicherungsverein reduzierte die durchschnittliche Bearbeitungszeit von Schadenfällen in dieser Phase von 14 Tagen auf 4,3 Tage.

Phase 3: Entscheidungskreislauf schließen (Monate 9-18)

Prädiktive Ergebnisse in Zeichnungs- und Serviceprozesse integrieren, sodass Insights automatisch Maßnahmen auslösen. Bei voller Reife eliminiert dies die Verzögerung zwischen Bericht und Entscheidung, die die meisten verpassten Verlängerungschancen und verzögerten Betrugsinterventionen verursacht.

Unternehmen, die ihren aktuellen Reifegrad einschätzen möchten, sollten unser KI-Strategie-Framework prüfen, das eine Diagnostik für Versicherungs- und Finanzdienstleistungsoperationen enthält.

Messung des Wandels: KPIs, die Vorstandsmitglieder verstehen

Die Herausforderung bei Insight-Management-Initiativen besteht darin, dass Zwischenergebnisse wie Modellgenauigkeit und Dokumentenklassifikationsraten sich nicht natürlich in Geschäftssprache übersetzen lassen. Die Kennzahlen, die in Lenkungsausschussdiskussionen Gehör finden, sind:

  • Durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Schadensfall: Diese vor jeder KI-Einführung als Basislinie erfassen. Ein gut umgesetztes Insight-Management-System reduziert die AHT bei routinemäßigen Schadenstypen innerhalb von 18 Monaten um 40 bis 60%.
  • Betrugserkennungsrate vs. Falsch-Positiv-Rate: Der relevante Kompromiss bei KI-basierter Anomalieerkennung. Eine Erkennungsrate von 90% bei unter 5% Falsch-Positiven ist mit ausreichenden Trainingsdaten erreichbar. Der Versuch, 95%+ Erkennung zu erreichen, treibt Falsch-Positive auf operativ nicht akzeptable Niveaus.
  • Cross-Sell-Konversionsrate aus KI-ausgelöster Ansprache: Misst, ob die Insight-Schicht tatsächlich Umsatz generiert. Eine dreifache Verbesserung gegenüber der Basis-Ansprache ist ein realistisches 12-Monats-Ziel für gut abgestimmte Personalisierung.
  • STP-Rate (Straight-Through Processing): Der Anteil eingehender Dokumente, der ohne menschliche Intervention vollständig verarbeitet wird. Branchenführer erreichen 75 bis 85% STP für standardisierte Schadenstypen. Werte unter 50% zeigen, dass die Input-Schicht stabilisiert werden muss, bevor Insight-Fähigkeiten zuverlässig funktionieren können.

Ein umfassenderer Überblick über KI in regulierten Branchen, einschließlich der Benchmarks von Versicherern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, liefert die Peer-Vergleiche, die interne Investitionsfälle überzeugender machen.

Quellen

[1] Capgemini Research Institute (2020). Smart Money (PDF)

[2] Friedrich, S. (2018). Du Lügst! im Magazin Positionen des GDV, Ausgabe 3/2018, Seiten 24-26 (PDF)

[3] Tan, B., Yang, Z., AI-Shedivat, M., Xing, E. P., & Hu, Z. (2020). Progressive Generation of Long Text (PDF)

[4] BiPRO e.V. (2021). Norm 430.