Seit den 1990er Jahren ist das Management von intellektuellem Kapital in Unternehmen ein theoretisch fundiertes und gut erforschtes Konzept. Die japanischen Forscher Ikujirō Nonaka und Hirotaka Takeuchi stellten fest, dass die kontinuierliche Transformation dieser Ressourcen entscheidend ist. Nur so lässt sich langfristiger Mehrwert schaffen, der auf implizitem Wissen und Intuition basiert. Dabei spielen vier Phasen eine entscheidende Rolle: Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung.
Sozialisation überträgt implizites Wissen zwischen Individuen durch gemeinsame Erfahrung. Ein Lehrling, der von einem erfahrenen Handwerksmeister lernt, oder eine neue Führungskraft, die die Unternehmenskultur durch tägliche Interaktionen verinnerlicht, sind klassische Beispiele dafür. Externalisierung wandelt implizites Wissen in explizite, dokumentierte Form um. Kombination reorganisiert und integriert explizites Wissen in umfassendere Systeme. Internalisierung wandelt explizites Wissen durch Praxis und Erfahrung wieder in implizites Wissen um. Kombination und Internalisierung beherrschen die meisten Organisationen vergleichsweise gut. Der Engpass war stets die Externalisierung: das unausgesprochene Fachwissen zu erfassen, das erfahrene Mitarbeiter in sich tragen, aber kaum artikulieren können.
Technologie spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle, und künstliche Intelligenz bildet keine Ausnahme. Dank neuer Ansätze wie multimodaler Sprachmodelle lässt sich heute auch die Externalisierung impliziten Wissens technisch umsetzen. Diese Modelle können analysieren, wie Experten mit komplexen Dokumenten interagieren, Entscheidungsmuster über Tausende von Fällen beobachten und die gewonnenen Erkenntnisse in strukturiertes Wissen überführen, auf das die gesamte Organisation zugreifen kann. Unser CEO Christopher Helm beschreibt genau, wie das funktioniert, in einem deutschsprachigen Gastbeitrag für das Fachmagazin Digital Business Magazine.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Implizites Wissen war bisher technisch schwer nutzbar. Es existierte nur in den Köpfen erfahrener Mitarbeiter und ging verloren, wenn diese das Unternehmen verließen.
- KI kann die Wissenstransformation beschleunigen und die Zeit von der Wissenserfassung bis zur organisationsweiten Verfügbarkeit von Monaten auf Tage reduzieren.
- Die dafür eingesetzten multimodalen Sprachmodelle erfordern eine hohe Konnektivität und präzise Integration mit bestehenden Unternehmenssystemen und Datenquellen.
- Das ermöglicht es, auch hochkomplexe Informationsträger wie Berichte oder Präsentationen als Eingaben für die Wissensextraktion und -strukturierung zu nutzen.
- Die Entwicklungskompetenz von KI-Anbietern ist dabei besonders wichtig, da Standardlösungen die domänenspezifischen Nuancen, die implizites Wissen wertvoll machen, selten vollständig abbilden.
Über Digital Business Magazine
Das Digital Business Magazine ist ein deutschsprachiges Fachmagazin für Themen rund um digitale Transformation und Automatisierung in Unternehmen. Es richtet sich an Unternehmer, Vorstandsmitglieder sowie IT- und HR-Verantwortliche. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Anwendungen neuer Technologien in Unternehmensumgebungen, mit besonderem Schwerpunkt darauf, wie deutsche und europäische Unternehmen digitale Werkzeuge zur Verbesserung ihrer Betriebsleistung und Wettbewerbsposition einsetzen können. Gastbeiträge von Praktikern wie unserem CEO spiegeln das Bekenntnis des Magazins zu praxisbasiertem Fachwissen wider.